Reisen

Ultratrail Supramonte Seaside - Trailrunning auf Sardinien

Nun also Trailrunning. Nach über zwanzig Marathonläufen und wahrscheinlich hunderten anderer Straßenläufe zog es mich auf einen knackigen Trail in meine zweite Wahlheimat – auf Sardinien. Während des SachsenTrail im Erzgebirge konnte ich bereits beim Funtrail & Quartertrail die unverwechselbare Trailluft schnuppern, nun wollte ich es auf den 25 km mit über 1.600 Höhenmetern beim Ultratrail Supramonte Seaside (UTSS) Baunei wissen. Apropos wissen – Dank dem Tipp von Katrin Jeschke beim Laufszene Birthday Run wurde ich neugierig. Schließlich erzählte sie mir von ihrer geplanten Teilnahme und kurzum meldete ich mich dazu an. Schließlich war ich zufällig urlaubstechnisch wieder auf der Insel und so war die Anreise quasi inklusive.

Der UTSS findet seit 2014 in der Region Baunei statt. Start ist in der Küstenstadt Santa Maria Navarrese und Ziel im „Bergdorf“ Baunei. Das Streckenangebot umfasst 90 km, 45 km, 25 km und 16 km. Die 25 km-Distanz war für meine Trainingsform perfekt und so stand ich 8:30 Uhr wie geplant mit meinem ordnungsgemäß gepackten Trailrucksack am Start. Der Kommentar „Nimmst Du deine Schrankwand mit?“ war der Einstieg ins Vororttreffen mit Katrin und ihrer Lauffreundin Ute. Kurzer Smalltalk, Foto und ab ging die Reise. Nach dem Start ging es circa 500 m den Ort hinauf, bevor man in die ewigen Jagdgründe der sardischen Singletrails einstieg.

Die rund 260 Teilnehmer (gemeinsames Startfeld für 25 km & 16 km) fädelten sich auf wie eine Perlenschnur und ich bin sehr verhalten gelaufen, schließlich tickerten mir die 1.600 Höhenmeter durch den Kopf. Aber das langsame, verhaltene Laufen in der „Perlenschnur“ (Überholen kaum möglich) erlaubte es mir, die Natur und Aussicht in vollen Zügen zu inhalieren. Und was man dort alles sah – die Trails, die bergige Silhouette, das Meer, die Brandung – unfassbar und kaum zu toppen. So führte es für uns Trailer ewig auf Singletrails direkt am Felsen und am Meer entlang, bevor kommen musste, was kommen musste: Es ging hinauf zum Gipfel.

Und damit das Trailfieber so richtig ausbricht, durchquerten wir an einem Seil noch zweimal im Vorfeld einen Sturzfluss, welcher sich auch durch die Regentage im Vorfeld so richtig an uns ausgelebt hat. Am Anfang hegte ich noch die Hoffnung, trockenen Fußes die andere Seite zu erreichen. Keine Chance und schnell aufgegeben! Also patsch rein ins kühle Nass, wobei kühl hier nix war. Auf Sardinien ist im Herbst noch deutlich Sommer und so war mir 500 m später gar nicht mehr bewusst, dass ich komplett nasse Schuhe + Strümpfe hatte. Die 25 Grad und der wolkenlose Himmel ließen keine Zeit zum Fröstel.

Zumal, zum Überlegen hatte ich eh keine Zeit, schließlich verlangte die Strecke alles von einem ab: hoch, hoch, hoch, Geröllfelder, Schotterfelder, Wurzeln, Steine, hoch, hoch, hoch. Dazu ein atemberaubender Blick aufs Mittelmeer und die unverwechselbare Bergkulisse der Insel. Irgendwann befand ich mich im Flow und hatte meinen Tritt nach oben gefunden. Eine Läuferin direkt vor mir hatte ein ideales Tempo und so lief ich Ewigkeiten hinter ihr und machte es mir fast ein wenig bequem. Kopf aus, dranbleiben und fertig.

Dann, endlich, hörte man Stimmen von NichtTrailern – Blick auf die Uhr: Aha, 11 km – hier muss VP 1 sein. Und so war es dann auch. Hier konnte man seinen Wasservorrat mit Wasser und Cola auffüllen und ein Stück Kuchen naschen. LECKER! Ok, kurz umgeschaut, wo ist meine Trailpartnerin – weg … na dann halt allein weiter. Das lange Hochlaufen hat mir dann doch einiges abverlangt. Irgendwie war die Maschine auf Sparflamme. Beine heben … puh, das war irgendwie schwer. So versuchte ich halbwegs locker wieder in Tritt zu kommen. Und Stück für Stück gelang mir das auch. Zudem war es auf dem Plateau eher flach und so sprang der Motor wieder an. Dann kam das Streckenteilungsschild 16 km zu 25 km. Man hätte hier also die Gelegenheit gehabt, abzukürzen und vorzeitig den Nachlaufruhestand genießen können. Aber mal im Ernst – damit es so richtig fetzt, muss es auch echt mal weh tun, oder? Pah, weg den Gedanken – Schmerz: ich komme! Ich will Dich! Wegen Dir bin ich hier! Und zu meiner motivationstechnischen Freude überholte ich wieder den einen oder anderen Trailer. YES, I CAN! Und dann stieg mein Puls noch ein wenig höher. Vor mir war keiner mehr zu sehen. Ok, Erster war ich niemals. Aber auf einmal musste ich mich im Gelände orientieren und man kennt das ja – die Trailer hinter mir hängen nun an mir dran. Wer will sich da schon verlaufen und dann noch Leute mitziehen :)! Aber die Strecke war TOP geflattert und ich konnte diese Prüfung bestehen. Und da war sie auch wieder, meine Laufbegleitung, welche mich auf den ersten Kilometern so treu gezogen hatte. Langsam konnte ich mich wieder an sie ran arbeiten und ich blieb dran. Mental war somit wieder etwas Pause angesagt und zack gings bergab. Hossa, das kannte ich noch von den Wandertagen mit meinen Eltern. Das staucht auf die Dauer und dieses ständige links, rechts Gespringe verlangt den Beinen alles ab, was sie schon auf der geraden Ebene kaum noch konnten. Aber „muss ja“ :)! Irgendwie kam in mir dann dieser „ich mach es jetzt besonders schön“ Gedanke auf und der trug mich bis zur VP 2. Hier gab es Salz und Wasser – dadurch, dass der Veranstalter auf viel Eigenverpflegung Wert legte, reichte das auch und kurz gestärkt, umgeschaut, weiter.

Die Uhr zeigte Kilometer 17. Hier begann ich schon leicht mit dem mentalen Zielspurt. Der Weg war jetzt eher flach und verlief wie eine sogenannte Waldautobahn. Aber nicht zulange gefreut, zack ging es wieder über Steinfelder, Auswaschungen und diversen Unebenheiten. Und bevor ich es vergesse: hoch! So langsam wollte ich dem Ganzen dann doch ein Ende setzen und träumte vom Finish - schwups standen wir vor einer riesigen Pfütze, fast ein See. Ungläubig drehte sich meine italienische Pacemakerin zu mir um und ich erwiderte prompt: „Let‘s swim“. Bevor wir zum Kopfsprung ansetzten, fanden wir doch rechter Hand einen kleinen Trampelpfad und so arbeiteten wir uns Stück für Stück in Richtung Baunei zum Ziel durch. Irgendwann vernahm man den Sound des Ortes und freute sich natürlich riesig auf den Zieleinlauf. Zuvor ging es aber gefühlt noch eine Ewigkeit über Treppenwege hinab in den Ort und dann endlich … Asphalt! Mal ehrlich, dass man sich nach einem Trail auf Asphalt freut, spricht wiederum für den Trail, oder?

Es war ein schöner Zieleinlauf – bergab, ebener Untergrund, alles gut. Ich stieß meiner Laufbegleitung nur noch ein „Time to fly“ entgegen und ab ins Ziel. Abgeklatscht, umarmt, Medaille entgegengenommen und ab zur Zielverpflegung. Ich schiele kurz auf die Uhr: 4 Stunden und 27 Minuten. Schnellster Kilometer 6 und langsamster 19 Minuten. Als Straßenläufer fast zum Heulen, als Trailer zum Weglächeln und über das Erreichte freuen. Und wen sehe ich noch: Katrin und Ute beim Zieleinlauf. Auch hier wird noch ein schickes Gruppenfoto geschossen, bevor ich mit dem Shuttlebus zurück ins Startareal fahre. Und wo hält der Bus? Direkt vor meinem Auto! Trailgott, was will ich mehr. DANKE und der Lauf kommt auf die „laufe-ich-wieder-Liste“ ganz nach oben.   

Euer André


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