Trailrunning

The Sky is the Limit - Skyrunning Part I

Klären wir, wie immer, erst mal den Titel des Beitrags. Was ist eigentlich Skyrunning? Ich habe vor ein paar Jahren schon einmal einen Beitrag darüber für die Laufgruppe Dresden geschrieben, es aber eher auf meine eigenen Projekte und weniger auf Wettkämpfe bezogen (>>> Hier geht es zum Beitrag).

Im einfachsten Sinne ist Skyrunning nichts anderes als das, was wir im Deutschen als Berglauf bezeichnen würden. Dennoch haben sich hier zwei oder sogar mehrere Szenen in den letzten Jahren / Jahrzehnten auseinander bewegt. Vorangetrieben vom Wettkampfgeist und vielleicht mit dem Ziel mal olympisch zu werden (...), bewegt sich der Berglauf unter dem großen Banner der World Mountain Running Association (WMRA) immer weiter in Richtung vergleichbarer Kurse, gleichmäßiger Anstiege etc. etc.


So wurde der Kurs zur Mountain Running WM 2017 sogar so gewählt, dass zwei identische Runden um einen Berg gelaufen werden mussten, um den Kurs zum Laufen zu optimieren, anstatt schöne natürliche Linien durch das Gebirge zu wählen.

Beim Skyrunning geht es eher darum, markante und technisch anspruchsvolle Wege zu überwinden, um auf Bergspitzen, über steile Pässe oder entlang schmaler Grate zu laufen. Hierbei werden, je nach Kategorie, die steilen und technischen Wege, den breiten vorgezogen, um schnellstmöglich zum Ziel zu kommen. Die Kurse werden zumeist aber abgesteckt, obwohl es sich teilweise auch nur um sehr lose Wegvorgaben handeln kann.

Noch eine Kategorie natürlicher ist das Fellrunning: hierbei wird zumeist ein Gipfel/Fell als Ziel ausgewählt (oder mehrere) und dann kann bei freier Wegwahl hoch- und wieder runtergeballert werden.

Andy Symonds, ein Top-Athlet unter den Sky-, Trail- und Fellrunnern hat diese Entwicklung bereits 2012 wunderbar in seinen Karikaturen festgehalten (>>> Hier geht es zum Beitrag).

Es gibt mehr oder weniger 3 große Kategorien im Skyrunning: der vertikale Kilometer, das klassische Skyrace und das Ultrarace. Beim vertikalen km gilt es, wie der Name bereits vermuten lässt, so direkt wie möglich 1000m+ bis zum nächsten Gipfel zu überwinden. 2017 habe ich beispielsweise beim steilsten vertikalen km im World Circuit teilgenommen: Vertical de Grand Serre -- 1000m+ auf lediglich 1.8km Streckenlänge.


Als eines der herausragenden klassischen Skyrace könnte man beispielsweise das Limone Skyrace nehmen. Hier werden auf einer Streckenlänge von ca 27km, 2700m+ überwunden. Alles ab 42 km Streckenlänge gilt dann, wie auch in den anderen Kategorien als Ultra.

Jetzt habe ich schon viel zu viel Allgemeines für einen kurzen Blogbeitrag geschrieben und bin noch gar nicht zum eigentlichen Thema gekommen. Den “extremen” Skyraces. Es gibt ein inoffizielles Dreiergespann von kleinen Ultras der Skyraces, die als die technisch anspruchsvollsten gelten: Tromso, Kima und Glen Coe.

Ich hatte 2018 das Glück, an Zweien davon zumindest streckenweise teilzunehmen.

TROMSO

Das Skyrace in Tromso sollte mein erstes Rennen sein, in welchem ich auch mal auf langen Strecken leichte Klettereinheiten mit Rennen verbinden konnte. Solche leichten, ungesicherten Klettereien (“Scrambling” im Englischen) war ich natürlich bereits von meinen Spaßläufen in den Alpen und auch anderen Hochgebirgen gewöhnt.

Hier ist zum Beispiel ein kleines Video von einem Lauf, bei dem ich mit meinem Kumpel Antoine in den französischen Alpen auf einen Gipfel klettern wollte, uns der Nebel und Hagel aber auf den falschen Weg gedrängt hatte und wir tatsächlich kurze Strecken abseilen mussten, da sich steile, nasse Kalkfelswände nicht gut abwärts klettern lassen (zum Glück hatten wir ein kurzes Seil am Start).

>>> ZUM VIDEO

Und hier auch gleich ein Disclaimer: Wenn man sich in besonders technischem Gelände bewegt, dann ist es an den coolsten, best wirkendsten Stellen nicht immer möglich Fotos oder Filmchen zu machen -- so wie auch in diesem Video. Die schwierigste Stelle war hier eine franz. 4a; das kann an feuchtem Fels mit Laufschuhen schon eine wackelige Partie sein, weshalb es davon auch keine Aufnahmen gibt.


So gab es auch nur 2 Fotos auf dem gesamten Kurs in Tromso von mir -- beide an derselben Stelle, die ausgerechnet im einzig flachen Teil der Strecke lag und die ich daher natürlich nicht erworben habe. Beim Klettern wurden nur die Top-Athleten, zu denen ich in diesem Leistungs-Niveau einfach nicht gehöre, (es war immerhin ein Weltcup-Rennen) aufgenommen, da die Bedingungen zu schlecht waren, um länger als Photograph dort oben zu verweilen.

Wer sich den langen Text sparen möchte, schaut sich einfach das Video an:

>>> ZUM VIDEO

Der Kurs startet in Tromso auf Wasserniveau und geht auf den ersten Gipfel, Tromsdalstinden. Dafür, dass der Kurs immerhin 4700m+ auf einer Strecke von nur 57km bieten sollte, kam mir dieser erste Teil wirklich nicht steil vor. Im Gegenteil, nachdem wir den ersten Anstieg gemeistert hatten, ging es super gemütlich auf einem Plateau entlang, bevor der finale Aufstieg zum Gipfel des Tromsdaltinden kam -- und auch der war zwar blockig, aber nicht wirklich kompliziert zu meistern. So gesagt, war ich fast etwas enttäuscht vom technischen Anspruch, aber das sollte ich sich ändern.

Denn auf der Rückseite des Tromsdalstinden ging es direkt hinunter in den nächsten Fjord. Das Ganze aber in einer Steigung, die ich so noch nie einen Berg hinuntergerannt (oder geglitten) bin. Es gab eigentlich keinen Weg, sondern nur Fähnchen, die erkennen lassen konnten, wo es ungefähr langging. Einige Läufer entschieden sich, im selbst gewählten Zick-Zack abzurennen, anderen nahmen die direkte Variante, so wie auch ich.

Da das Wetter klassisch Norwegisch feucht und der feinkörnige Boden mit Wasser gesättigt war, war das hinunter kommen ziemlich aufreibend. Das letzte Stück des Abstiegs ging durch ein Waldstück, durch welches eine kleine sehr direkte Trasse frei gemacht wurde. Da diese ebenfalls sehr schlammig, äußerst steil und noch mit Wurzeln durchzogen war, hat es mich dann endlich ausgehebelt und ich landete nach einer vertikalen 360° Drehung in einem Baum -- mit einem prächtig langen, aber zum Glück nur oberflächlichen Riss am Oberschenkel; der noch heute meinen Körper schmückt.

Unten angekommen ging es kurz durch den Fjord, einer der sehr wenigen horizontalen Abschnitte, zum ersten und letzten Verpflegungspunkt nach ca. 17km. Hier gab es Wasser und ein paar Früchte -- Kilian als einer der Organisatoren hatte bei der Vorbesprechung noch angemerkt, dass wir am besten an den vielen Flüssen unser Wasser auffüllen und die Beeren am Wegesrand als Verpflegung nutzen können ;)

An dieser Stelle kann ich anmerken, dass sich die Verpflegungspunkte in solchen Läufen, auf das wesentlichste beschränken: meist gibt es “nur” Wasser, ein paar Früchte und etwas zum Knabbern. So ziemlich das genaue Gegenteil der Straßenläufe -- da bekommt man in Dresden bei nem 5km Lauf selbst 1km vor Schluss noch Getränke in die Hand gedrückt ;)


Dann sollte endlich der lang ersehnte Aufstieg zum Hamperokken kommen. Da ich für solche Rennen dann doch meine Stöcke mitnehme, konnte ich am folgenden steilen, langen Anstieg sehr viele Positionen gut machen und mich dann in die Kletterei stürzen. Hier ist es wichtig, nicht mit zu hohem Puls an den Fels zu gehen, da man sonst leicht dazu neigt, überstützt Tritte und Griffe zu nehmen, die evtl. nicht die beste Wahl sind.

Die folgende Kletterei war nicht kompliziert, der Fels durch den Regen und die Luftfeuchte aber sehr nass, weshalb ich meine Stärken hier leider nicht voll ausspielen konnte, da ich das Risiko nicht unnötig erhöhen wollte.


Im Jahr zuvor, gab es hier einen äußerst gefährlichen Absturz, bei dem Hillary Allen in ca. 50m freiem Fall vom Grat gestürzt war und nur Glück hatte, auf einem Vorsprung zu landen und sofortige Hilfe zu erhalten -- nach vielen OP’s und einer langen Regenerationsphase, konnte Sie im letzten Jahr (2018) auf wundersame Weise aber sogar schon wieder Rennen gewinnen! Einfach unglaublich.

Fotocredit: By ArneEide - Own work, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org/w/index.php

Da der finale Aufstieg zum Gipfel dann doch noch mal etwas komplizierter wurde, und der Abstieg vom Gipfel vorerst auf demselben Wege verläuft, kam es hier zu einigen Unruhen, die, wenn man nicht erfahren genug ist, sicherlich verunsichern können. Der folgende Abstieg verläuft normalerweise durch ein Schneefeld -- darauf hatte ich mich richtig gefreut -- einfach mal die Beine rotieren lassen. Durch den heißen Sommer 2018 war dieses Schneefeld aber komplett abgeschmolzen und hatte uns einen äußerst blockigen Bergrücken hinterlassen. Und da herunter zu kommen, ist wesentlich anstrengender als durch ein Schneefeld abzurennen, oder im besten Fall runterzuschlittern.

Hier sollte sich dann meine schlechte Renntaktik bemerkbar machen und der Hammer flog mir direkt ins Gesicht -- die Beine wurden wackelig, ein leichtes Schwindelgefühl. Da half nichts, außer kurz hinsetzen, einen Riegel reinprügeln und langsam weiterbewegen. Nach 10 min war das dann auch ausgestanden und es ging zurück in den Fjord zur selben Verpflegung, wie auf dem Hinweg -- die Runde war geschlossen.

Jetzt folgte allerdings der wiederholte Aufstieg zu Tromsdalstinden; dieses Mal aber entlang des steilen Downhills. Also, Stöcke in die Hand und dieselben Fehler wiederholen, um die Läufer vor mir abzukassieren: ich konnte wieder viele Plätze gut machen, habe dadurch aber keine Nahrung zu mir genommen. Wenn‘s bergauf läuft, bin ich in einem Fenster und egal, wie lang es noch geht, 800m+ oder auch 1700m+, geht es immer weiter hoch -- da muss ich mir noch viel von Attila abschauen!


Jetzt wurde mir auch erst die eigentliche Steilheit, des ersten Abstiegs bewusst. So ging es stellenweise so steil bergauf, dass ich mit dem Gesicht fast den Boden berührt hätte -- und das obwohl ich Stöcke benutzt hatte. Oben angekommen musste ich wieder kurz rasten, um meine fehlende Energie aufzustocken und konnte mich anschließend über einen langen, aber nicht zu steilen Abstieg ins Ziel nach Tromso begeben.


Ein geniales “low key” Event: man geht zum Start, bekommt seine Nummer ohne großen Schnickschnack und läuft los -- das wars!

Danach konnte ich mich mit meinem Bruder und meinen Freunden, die teilweise die anderen Rennen bestritten hatten, noch für eine Woche in den Lofoten ausruhen -- bouldern, wandern und campen und habe schließlich entdeckt, dass auch ich was mit Stränden anfangen kann, siehe hier:

>>> ZUM VIDEO

Max

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