Laufszene Events

27 Fragen an ... Marc Schulze

Für alle die dich noch nicht kennen: Wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?

Puh das ist eine schwierige Frage. Erst einmal würde ich sagen, dass ich ein untalentierter Läufer bin, welcher mit viel Ehrgeiz sein Bestes gibt. Da das mehr als vier Worte sind: untalentiert, ehrgeizig & trotzdem schnell :D

Wie bist du zum Laufen gekommen?


Ich bin durch meinen Vater zum Laufen gekommen. Dieser war Volksläufer, war viel auf Laufveranstaltungen unterwegs und hat mich einfach einmal mitgenommen. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Brandenburg und dort gab es in einem Nachbarort einen Lauf, mit sogar relativ vielen Teilnehmern. Dort habe ich teilgenommen – sogar damals noch als aktiver Fußballer und irgendwie habe ich mich aber relativ schwergetan. Aber schon bei meinem nächsten Lauf war ich erfolgreicher und habe sogar etwas gewonnen. Und ganz anders als beim Fußball, wo man mal verliert und mal gewinnt und es vor allem auf die Teamleistung ankommt – hatte ich nun gesehen, dass man nur durch seine eigene Leistung unglaublich viel bewegen und erreichen kann. Damit kam dann die Fokussierung aufs Laufen.

Nachdem ich dann einige Jahre eher mehr oder weniger erfolgreich trainiert hatte, habe ich erst mit meinem Umzug nach Dresden und dem Kennenlernen von Paul Schmidt so richtig gemerkt, was es bedeutet, zielstrebig zu trainieren. Vorher habe ich schon so fünf bis sechsmal die Woche trainiert – ab diesem Zeitpunkt habe ich die Umfänge jedoch gesteigert (70 bis 80 Kilometer die Woche). Da habe ich gemerkt, dass das viel bringt. Mit Paul gemeinsam bin ich gut geworden. Leider habe ich in diesem Moment meine erste Chance im Nationaltrikot bei der U23 Cross EM zu starten, knapp verpasst.

Gab’s für dich mal ein Erlebnis, wo du fast das Laufen an den Nagel gehangen hättest?


Ja. Diesen Moment gab es und zwar nach meinem zweiten Marathon in Boston. Ich will ja immer viel erreichen und schnell laufen – daher ist die Vorbereitung für einen Marathon natürlich sehr umfangreich und anstrengend. Mein erster Marathon in Berlin lief ganz gut – ich wollte unter 2:20 h laufen. Schlussendlich stand eine 2:21 h auf der Uhr und ich war schon ein wenig enttäuscht. Also beschloss ich im Frühjahr des Folgejahres noch einmal in Boston zu laufen. Ich war gut drauf, hatte gute Vorleistungen – aber irgendwie lief es einfach schlecht. Das klassische Problem: viel zu schnell angegangen, zu viel gewollt und an der Halbmarathonmarke war ich bei 1:10 h oder 1:11 h und war schon platt. Bei 2:29 h kam ich enttäuscht ins Ziel. Eigentlich sollte bei diesem Marathon die 2:20 Marke fallen und dafür hatte ich viel trainiert und war um die halbe Welt geflogen. Danach hatte ich wirklich keine Lust mehr – aber nachdem ich da ein bisschen Luft rangelassen hatte und nach einem Gespräch mit meinem Trainer, damals wie auch heute trainiere ich gemeinsam mit Jens Karraß, ging es dann doch weiter. Also noch ein weiterer Versuch – wieder in Berlin. Am Ende wollte ich eine 2:16h – aber bei Kilometer 25 war der Ofen aus und damit auch das Ziel EM Marathon in weite Ferne gerückt. Und da war definitiv der Punkt erreicht, wo ich gesagt habe: das ist alles Scheiße. Du machst hier nicht weiter – das ist alles viel zu aufwendig und das war dann auch der Punkt, wo ich mich gegen die Brechstange und für den Laufspaß entschieden habe.

Was ist deine Lieblingslaufeinheiten? 


Mittlerweile laufe ich sehr gern profilierte Dauerläufe in der Dresdner Heide. Zu Marathonzeiten hieß es immer möglichst schnell und flach – mittlerweile liebe ich jedoch die Routenfunktion meiner Uhr und plane mir da immer neue Routen. Dabei kann man wunderschön abschalten und früh ist es immer noch schön frisch.

Warum hast du beim Laufen immer ein Cap auf?


Das ist eine spannende Frage und hat tatsächlich einen Hintergrund. Das habe ich mir irgendwann einmal ausgedacht. Nachdem ich jahrelang bei Volksläufen aktiv dabei war, wurde ich nicht wirklich wahrgenommen oder erkannt. Daher musste ein Erkennungszeichen her – wenn also Leistung nicht überzeugen kann, dann vielleicht gutes Aussehen. In Japan bekam ich dann ein Cap geschenkt und mein neues Markenzeichen war geboren. Dieses war dann auch noch rot – also ein echter Hingucker. Also wenn die Leute mich persönlich nicht kennen, kannten sie ab diesem Zeitpunkt zumindest den schnellen Läufer mit der Mütze.

Ab wann hast du dich auf den Berglauf fokussiert?

Eigentlich mit der Nominierung in den Kader. Ab da an wusste ich, wenn ich jetzt noch einmal Gas gebe, hast du die Chance, noch einmal im Nationaltrikot laufen zu können.

Was sagt deine Familie dazu?


Bereits mit der Nominierung in den Kader hatte ich begonnen heimlich wieder mehr zu trainieren. Aber dann kam natürlich der Moment, wo ich meine Familie eingeweiht habe – über meine Ziele und über die Steigerung der Laufumfänge. Ganz schonend und so minimalinvasiv im Hinblick auf unser Familienleben, wie nur irgend möglich. Und natürlich ist das schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber mittlerweile hat sich alles super gut eingespielt. Ich bring die zwei Kinder in den Kindergarten, absolviere anschließend eine Laufeinheit und dann geht’s zur Arbeit.

Wie sieht dein wöchentliches Training aus?


Ich habe einen Wochenumfang um die 100 Kilometer – wenn ich ein etwas mehr Zeit habe, können es auch mal 120 Wochenkilometer werden. Mein Trainer und ich sind der Meinung, dass wir versuchen müssen schnell zu werden und dann über diese Schnelligkeit am Berg gut zu sein. Also ein Vorteil über die Grundschnelligkeit zu ziehen. Weiterhin baue ich spezifische Einheiten wie zum Beispiel Bergläufe an der Plattleite oder an der Spitzhaustreppe mit ein. Leider fehlen hier regional komplett die langen Anstiege im Training.

Hast du das Gefühl, dass eure Taktik funktioniert?


Ja. Beim Qualifikationslauf in Grabs konnte ich gut abliefern und war lange Zeit sogar in Führung. Beim letzten Kilometer mit (ich glaube) 27 Prozent Steigung fehlte mir aber noch ein wenig die Erfahrung, wann man am besten eine wichtige Entscheidung trifft: laufen oder gehen. Hierbei kann man wertvolle Energie sparen und schlussendlich mit einem schnellen Gehschritt mehr erreichen. 500 m vorm Ziel war ich jedoch dann stehend K.o. und wurde von dem späteren Sieger überholt.

Verändert sich für dich das Laufgefühl, wenn man ein Nationaltrikot anhat?

Es ist schon definitiv etwas Einmaliges und eine Auszeichnung. Nur Wenige habe diese Chance und damit gehört man zu einem speziellen, fast schon elitären Kreis. Und irgendwie möchte ja jeder der oder die Beste in etwas sein – ganz egal ob im Sport oder in anderen Lebensbereichen. Weiterhin freue ich mich riesig darüber einfach schnell und erfolgreich unterwegs zu sein und mich damit auch für das harte Training in der Vorbereitung belohnen zu können.

Wer unterstützt dich neben deiner Familie bei den Vorbereitungen?


Natürlich mein Trainer – dieser ist immer an meiner Seite und unterstützt mich sehr. Er bremst mich auch ein, wenn ich mal wieder zu viel möchte und der Hitzkopf in mir durchkommt. Denn auch im Training will ich manchmal einfach zu viel – jedoch geht es ja nicht darum, Trainingsweltmeister zu werden, sondern in den entscheidenden Momenten abzuliefern.

Diese Erfahrungen gebe ich auch gern an meine Trainingsgruppe, welche ich in seinem Namen leite, weiter. Locker bleiben ist das A und O, denn nur mit Lockerheit und Spaß kommt dann auch die Leistung.

Wie bist du in die Dresdner Vereinsstruktur eingebunden?


Ich selbst bin Mitglied im Citylauf-Verein Dresden, kann aber die Angebote aufgrund meiner familiären Zeitgestaltung immer nur sehr schwer nutzen. Heiko Poland macht aber einen super Job und die Angebote des Vereins sind toll. Laufbegeisterte mit ganz unterschiedlichem Leistungsniveau haben da die Möglichkeit miteinander zu trainieren. Allgemein würde ich auch immer die Wichtigkeit einer Laufgruppe unterstreichen. Eine feste Verabredung – ganz egal ob mit einem Lauffreund, einer Laufgruppe oder anderen Vereinsmitgliedern – ist Gold wert, wenn der innere Schweinehund zu groß zu werden scheint.

Welchen Spitzensportler bewunderst du und warum?


Da gibt es unterschiedliche und das ist so ein bisschen gewachsen. Als ich selbst angefangen hatte zu Laufen, waren es vor allem Volkslaufhelden wie zum Beispiel Ralf Harzbecker aus Hoyerswerda. Als ich nach Dresden gezogen bin, war es vor allem Jens Bormann – zweimaliger deutscher Cross-Meister. Oder auch Wolfram Müller und René Herms – das war eine echte Auszeichnung mit den beiden trainieren zu dürfen. Mittlerweile bewundere ich insbesondere zwei US-amerikanische Läufer: Jared Ward & Ben True. Die beiden inspirieren mich sehr. Nicht nur durch ihre sportliche Leistung, sondern auch auf der Ebene in Bezug auf die Vereinbarkeit von Sport und Familie und ihre Leidenschaft zum Laufen.

Wo siehst du dich in den nächsten zwei Jahren?


Erst einmal fokussiere ich voll auf die Berglauf-EM. Ich habe dabei schon das ehrgeizige Ziel vorn mit dabei zu sein und vielleicht schaffe ich ja sogar mit meinem Ergebnis die Qualifikation für die WM in diesem Jahr in Argentinien. Die Nominierungsrichtlinien sind dabei ein wenig schwammig – ich möchte mich auf alle Fälle gut empfehlen und dann mal schauen. TOP 10 ist das klare Ziel.

Was ist dein persönlicher Traum?

Ich bin mit der aktuellen Situation sehr glücklich und ausgeglichen. Ich habe eine tolle Familie, einen Beruf wo alles passt und sportlich gesehen bin ich wunschlos glücklich. Naja vielleicht würde ich mir in der Zukunft noch einmal den Wunsch erfüllen, einen Marathon in Japan zu laufen, denn die Japaner sind nach den Afrikanern die weltbesten Läufer und haben eine riesige Laufszene.

Was würdest du ohne den Sport machen?


Diese Frage habe ich mir auch schon einmal gestellt und das ist wirklich schwer zu beantworten. Ich war in der Schule eher ein durchschnittlicher Schüler und habe mit 16 Jahren mit dem Laufen begonnen. Während meiner Schulzeit hat mir das Training auch ganz sicher dabei geholfen, Stress abzubauen, mich besser konzentrieren zu können und somit auch bessere schulische Leistungen zu erreichen. Mittlerweile ist ja auch wissenschaftlich bewiesen, dass durch Laufen die Durchblutung im Gehirn angeregt und die Sauerstoffzufuhr verbessert wird – damit können nicht nur Zusammenhänge besser erfasst werden, sondern auch Neugelerntes kann schneller verarbeitet werden.

Somit ist schwer zu sagen, ob ich ohne den Sport meinen Weg mit Abitur und Studium so hätte gehen können.

Was würdest du beim Training manchmal am liebsten weglassen?


Also ich bin schon sehr ehrgeizig und gehe auch mal dahin wo es wehtut. Ich mache eher etwas zu viel, als zu wenig. Wenn ich aber merke, dass ich Trainingseinheiten nicht wie auf dem Plan durchziehen kann, dann kann es schon selten einmal vorkommen, dass ich Einheiten in Absprache mit meinem Trainer streiche. Und natürlich gibt es auch Einheiten, wo ich vorab schon weiß: heute wird es sicherlich wehtun – aber meistens ist es dann so, dass wenn einmal der Anfang gemacht ist, es schon läuft und man drin ist.

Wobei kannst du am meisten entspannen?


Auf der Couch mit Schokolade und Fernsehen. Da ärgere ich mich aber auch immer selbst, weil ich schon weiß, dass ich mich abends eigentlich noch einmal dehnen sollte und mir das auch guttun würde – aber das fällt dann doch hinten runter.

Lieblings-

Laufszene Event? Warum?

Nach wie vor immer noch die REWE Team Challenge. Ich habe mitterlebt wie das Event gewachsen ist und ich habe in diesem Jahr das erste Mal eine Firmen-Laufgruppe auf dem Weg zur REWE Team Challenge begleitet. Für viele ist das Durchlaufen von fünf Kilometern eine echte Herausforderung und für mich die Möglichkeit auch noch einmal zu relativieren – für mich sind fünf Kilometer ein etwas längeres Einlaufen. Das erdet mich ungemein und es freut mich, andere motivieren zu können.

Laufschuh:


Prinzipiell bin ich sehr Adidas-affin und mag die Adizero Serie. Bei den Bergläufen habe ich jetzt jedoch bemerkt, dass ein etwas mehr profilierterer Schuh von Vorteil sein kann. Daher teste ich gerade einen Salomon Schuh und finde ihn super.

Schokolade:

Das wechselt immer mal. Aktuell definitiv Ritter Sport Vollmilchschokolade mit dem passenden Titel Gipfelglück. Die nehme ich jetzt auch immer mit, wenn es zu Bergläufen geht.

Film:

Das ist eine sehr gute Frage. Ich bin Fan von Independentfilmen und mag da ganz besonders die skandinavischen. Filme wie „Adams Äpfel“ oder „In China essen sie Hunde“ – also eine definitive Empfehlung meinerseits.

Buch:

In der Regel lese ich vor allem Fachbücher. Aber natürlich auch mal die Klassiker von Dr. Pfeil oder der Ernährungskompass von Kast. Und auch das Buch von Lance Armstrong habe ich gelesen und fand es sehr motivierend. Allerdings war ich von ihm nach den Doping Enthüllungen schwer enttäuscht.

Reiseziel:

Dieses Jahr definitiv Marokko.

Tier:

Da habe ich keins – ehrlicherweise. Als Kind war ich großer Hundefan, hatte jedoch nie einen eigenen.

Heißgetränk:

Ich trinke sehr gern Tee. Kaffee ist eher nicht so meins und mir zu bitter.

Charakterzug:

Bescheidenheit.

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